Ich habe zuerst die Figuren. Dann eine vage Grundidee zu einer Geschichte und weil der Verlag gerne etwas Konkreteres hat, schreibe ich jeweils ein Exposé (eine kurze Zusammenfassung) einer möglichen Geschichte. Beim Schreiben halte ich mich mehr oder weniger an den roten Faden, improvisiere aber das meiste während des Schreibens. Ich entscheide oft spontan am Ende eines Kapitels, wie es im nächsten Kapitel weitergeht. Zum Beispiel: Wenn Alex nach Hause geht, um irgendwie zu Geld zu kommen, habe ich keine Ahnung, wie er das anstellt und ob er es bekommt. Ich klingle mit ihm zusammen an der Haustür, gehe mit ihm ins Haus, rede mit seinem Vater und schaue, was passiert. Wichtig ist für mich nur eins: Ich erlebe diese Begegnung mit den Augen von Alex, reagiere, wie er reagieren würde.
Ich nenne das für mich „Zwiebelschreiben“. Mich von den Figuren leiten lassen. Mit ihnen etwas erleben. Und dann die Geschichte Schicht um Schicht schälen (= überarbeiten), bis sie für mich stimmt.
Ich habe versucht, eine Geschichte besser zu planen, ein genaueres Konzept zu erstellen, aber das funktioniert in meinem Fall nicht. Ich muss ganz spontan mit den Figuren zusammen entscheiden können, was „wir“ jetzt gerade tun. Manchmal denke ich, dass eine Geschichte ganz anderes herausgekommen wäre, hätte ich am Tag, an dem ich ein bestimmtes Kapitel schrieb eine andere Laune gehabt